Einleitung: CSRD als Chance für die Freie Wohlfahrtspflege
Die EU-Taxonomie und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU stellen Vereine und Sozialunternehmen der Freien Wohlfahrtspflege vor neue Herausforderungen – aber auch vor Chancen. Auch AWO-Gliederungen werden künftig ökologische, soziale und governance-bezogene Daten systematisch erfassen, analysieren und berichten müssen. Ein zentraler Baustein dabei: die doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Sie entscheidet, welche Themen für die Organisation und ihre Stakeholder wirklich relevant sind und wo vertiefte Datenerhebung nötig wird.
Doch wie gelingt es, diese Analyse effizient, konform und praxisnah umzusetzen? Im Projekt „AWO digital Hub“ haben mehrere AWO-Gliederungen gemeinsam mit der GOS mbH ein Verfahren entwickelt, das nicht nur die Anforderungen der CSRD erfüllt, sondern auch kostenlose Excel-Tools bereitstellt, von denen alle Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege profitieren können.
Das Projekt: Gemeinsam zu passgenauen Lösungen
Ziel des Projekts war es, ein effizientes und wirksames Verfahren für die doppelte Wesentlichkeitsanalyse (DWA) zu entwickeln – von der AWO für die AWO. In einer Workshopreihe über den Jahreswechsel 2024/2025 wurden der Status quo analysiert und konkrete Hilfestellungen erarbeitet. Dabei stand von Anfang an fest: Die Lösungen müssen praxistauglich sein und den Bedürfnissen der Gliederungen entsprechen.
Die Projektphasen im Überblick
- Stakeholderdialoge und -auswertung: Wer sind die relevanten Anspruchsgruppen? Wie lassen sich ihre Perspektiven strukturiert erfassen?
- Sammlung von Impacts, Risks & Opportunities (IRO): Welche ökologischen, sozialen und governance-bezogenen Themen sind für die AWO wesentlich?
- Bewertung der IROs: Wie lassen sich die gesammelten Themen priorisieren?
- Ableitung der Berichtsfelder: Welche ESG-Bereiche (Environment, Social, Governance) sind für die Berichterstattung zentral?
- Zuordnung von Indikatoren und Kennzahlen: Wie werden die Ergebnisse messbar und berichtsfähig?
Ein besonderer Fokus lag auf der Entwicklung von Excel-Tools, die Gliederungen bei der Umsetzung unterstützen – von der Datensammlung bis zur Dokumentation. Diese Tools wurden in der Praxis erprobt. Dabei haben wir auch wichtige Lernerfahrungen gemacht.
Zentrale Learnings: Was uns die Praxis gezeigt hat
- Stakeholderinterviews: Standardisierung ja – aber mit Flexibilität
Nicht alle Stakeholder sind gleich: Während Banken oder Versicherungen standardisierte Fragen gut verstehen und beantworten können, brauchen Mitarbeitende oder Klient*innen oft eine andere Ansprache. Hier haben sich angepasste Fragestellungen und erfahrene Interviewer*innen als entscheidend erwiesen. - Bewertungsschemata: Vertrauen in die eigene Expertise stärken
Standardisierte Bewertungsraster helfen, die Relevanz von Stakeholdern und IROs zu ermitteln. Doch viele Beteiligte zögern zunächst, sich auf eine Bewertung festzulegen. Die Lösung: Mehrere Bewertungsrunden durchführen. So wird das Ergebnis konsistenter – und die Beteiligten gewinnen Sicherheit. - Qualitative Erkenntnisse als strategischer Mehrwert
Die DWA liefert nicht nur quantitative Daten, sondern auch wertvolle qualitative Hinweise. Diese können die strategische Ausrichtung von Organisationen maßgeblich beeinflussen – ein oft unterschätzter Nebeneffekt!
Excel-Tools: Kostenlose Unterstützung für die Praxis
Ein zentrales Ergebnis des Projekts sind praktische Excel-Tools, die Gliederungen bei der Durchführung ihrer Wesentlichkeits- und Stakeholderanalysen unterstützen. Sie ermöglichen:
– Strukturierte Datenerfassung (z. B. für Stakeholderinterviews)
– Standardisierte Bewertung von IROs
– Dokumentation und Auswertung der Ergebnisse
Die Tools werden kostenlos von AWO digital zur Verfügung gestellt, sodass alle Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege davon profitieren können.
Fazit: Gemeinsam die CSRD meistern
Das Projekt zeigt: Durch Kooperation und praxisnahe Lösungen lässt sich die CSRD nicht nur bewältigen, sondern als Chance nutzen. Die entwickelten Excel-Tools und die gesammelten Learnings helfen AWO-Gliederungen, ihre Wesentlichkeitsanalysen passgenau, effizient und konform umzusetzen – und gleichzeitig strategische Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.
Was sind Ihre Erfahrungen mit der doppelten Wesentlichkeitsanalyse? Wie bereitet sich Ihre Organisation auf die CSRD vor? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren!
